Du möchtest aufhören und hast doch das Gefühl, nicht mehr entscheiden zu können. Hinterher bleiben ein unangenehm voller Bauch, Scham oder die Frage: «Warum passiert mir das immer wieder?»
Wenn du schon vieles versucht hast, kann jeder weitere Essanfall besonders wehtun. Du hast dir so gewünscht, dass es diesmal anders wird. Wie viel Kraft dich das kostet, sieht von aussen oft niemand.
Gerade jetzt ist es wichtig, liebevoll für dich zu sorgen – auch wenn dir gar nicht danach ist. So gut, wie es dir im Moment möglich ist.
Wie du dich nach einem Essanfall unterstützen kannst
Vielleicht sagst du dir Dinge, die du deiner besten Freundin niemals sagen würdest, und nimmst dir vor, morgen noch strenger zu sein. Freundlich mit dir umzugehen, fällt dir im Moment schwer. Ein erster Schritt könnte sein: «Ich bin enttäuscht. Trotzdem muss ich mich dafür nicht beschimpfen.»
Schau, was dir jetzt guttun könnte. Wenn deine Kleidung am Bauch drückt, kannst du etwas Bequemes anziehen und dir einen Platz suchen, an dem du dich wohlfühlst. Brauchst du Ruhe oder möchtest du dich jemandem anvertrauen? Eine warme Dusche kann dir guttun.
Später magst du dir ein Buch aus der Bibliothek ausleihen oder deine Fingernägel schön lackieren. Etwas Kleines, das dir Freude macht, darf auch heute Platz haben.
Wenn du wieder Hunger bekommst, darfst du dir eine Mahlzeit zubereiten, die dir schmeckt und guttut. Du brauchst den Essanfall nicht dadurch auszugleichen, dass du dir Essen vorenthältst.
Wenn die ersten Vorwürfe leiser geworden sind, kannst du behutsam zurückschauen: Wie ging es mir vor dem Essanfall? Hatte ich ausreichend gegessen und mir erlaubt, was ich wirklich essen wollte? Gab es etwas, das mich belastet hat? Was hätte ich gebraucht?
Auch «Ich weiss es nicht» darf stehen bleiben. Du kannst dir Zeit lassen, Antworten zu finden, und üben, dir mit weniger Vorwürfen zuzuhören.
Für mich war es ein entscheidender Schritt, meine Bedürfnisse auch nach einem Essanfall ernst zu nehmen. Ich musste nicht erst mit meinem Essverhalten zufrieden sein, um gut für mich sorgen zu dürfen. Dadurch veränderten sich mit der Zeit sowohl mein Essverhalten als auch meine Beziehung zu mir selbst.
Du darfst dir Unterstützung holen
Wenn du bisher mit niemandem über deine Essanfälle gesprochen hast, können deine Hausärztin, dein Hausarzt oder eine auf Essstörungen spezialisierte Fachperson erste Ansprechpersonen sein. Vielleicht ist jetzt ein guter Zeitpunkt, dich jemandem anzuvertrauen.
Vielleicht hast du diesen Schritt bereits gemacht und erlebst trotzdem noch Essanfälle. Das kann enttäuschend sein, gerade wenn du viel Hoffnung in die Unterstützung gesetzt hast. Es bedeutet aber nicht, dass du gescheitert bist oder dir nicht geholfen werden kann.
Ich kenne diese Enttäuschung aus eigener Erfahrung. Manchmal braucht es mehrere Anläufe, mehr Zeit, andere Impulse oder eine Begleitung, die besser zu dir passt. Auch der Austausch mit jemandem, der Ähnliches erlebt hat, kann guttun und Mut machen.
Es lohnt sich, weiter nach einer Unterstützung zu suchen, bei der du dich verstanden und gut begleitet fühlst. Bei mir war es schliesslich Jane Hirschmann, mit deren Hilfe ich meinen Weg aus den Essanfällen gefunden habe.
In meine Begleitung als Coach fliessen auch meine eigenen Erfahrungen ein. Sie ersetzt keine notwendige ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.



